Sportmedizin

Orthopädie und Traumatologie des Kniegelenks


Einleitung

Das Kniegelenk (Articulatio genus) ist das bei Sportlern am häufigsten verletzte Gelenk. Die meisten Verletzungen entstehen durch übermäßige Drehbelastungen, wie sie beim Skilaufen, Fußball und American Football vorkommen. Die Mehrzahl der Verletzungen betrifft das mediale Seitenband und die Menisken, aber auch Rupturen des vorderen Kreuzbandes treten häufig auf und sind für lange Fehlzeiten im Sport verantwortlich. Die häufigsten Überlastungsprobleme sind patellofemorale Schmerzsyndrome und Entzündungen der Patellarsehne.

Beschreibende und funktionelle Anatomie

Das Kniegelenk gilt als das größte Gelenk des Körpers. Es handelt sich um ein Dreh-Winkelgelenk mit zwei Freiheitsgraden. Es wird durch Femur (Oberschenkelknochen) und Tibia (Schienbein) gebildet. Hinzu kommt noch die Patella, die innerhalb der Patellarsehne liegt und bei Kniebewegungen über eine Rinne an der Vorderseite des Femur gleitet. Bei der Streckung des Kniegelenks verschafft die Patella der Quadrizepsmuskulatur einen mechanischen Vorteil. Die gegenüberliegenden Oberflächen der drei Knochen sind von Gelenkknorpel überzogen, das Gelenk selbst ist mit Synovialis (Innenhaut) ausgekleidet. Es wird durch vier kräftige Bänder stabilisiert. Das mediale Kollateralband (MKB), das laterale Kollateralband (LKB), das vordere Kreuzband (VKB) und das hintere Kreuzband (HKB). Die Kollateralbänder verhindern seitliche Bewegungen, während die Kreuzbänder abnormale Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen begrenzen. Durch Drehbewegungen, die extreme Belastungen in diesen Bädern verursachen, können diese zerreißen. Das MKB und das VKB werden oft gleichzeitig verletzt, können aber inzwischen sehr gut behandelt werden. Verletzungen des HKB und LKB sind schwieriger zu behandeln, insbesondere solche, die auch die Kapsel und andere Strukturen im posterolateralen (äußeren hinteren) Bereich des Kniegelenks betreffen.        

Der Femur bildet im Bereich des Kniegelenks zwei distal rundliche walzenförmige Gelenkknorren, den Condylus medialis und lateralis, die jeweils knorpelig überzogen sind. Die Tibia hat dagegen zwei proximale Kondylen, die fast flache Gelenksflächen ausbilden. Dazwischen befinden sich zwei firstartige Erhöhungen, an denen das vordere und hintere Kreuzband ansetzen. Da Femur- und Tibiakondylen nicht genau ineinanderpassen, handelt es sich hierbei um eine Inkongruenz, die durch den medialen und lateralen Meniskus ausgeglichen wird.

Die Meniski sind faserknorpelige C-förmige Scheiben, die zueinan der offen in einem keilförmigen Profil liegen. Sie umgeben die Femurkondylen wie eine Manschette und sind durch Bänder miteinander verbunden. Ihre Enden sind an den Tibia angeheftet und ihre Ränder jeweils mit der Gelenkkapsel verwachsen. Der Innenmeniskus weist als Besonderheit eine feste Verbindung mit dem Innenband aus, was zur Folge hat, dass Innenbandverletzungen oft auch mit Verletzungen des Innenmeniskus verbunden sind. Der Außenmeniskus ist dagegen wesentlich beweglicher. Die Meniski haben aufgrund ihrer guten Beweglichkeit und Verformbarkeit bei den Beuge- und Streckbewegungen die Funktion eines Puffers. Sie übernehmen ca. 1/3 der auf das Knie wirkenden Last und verteilen sie gleichmäßig auf das Gelenk. Außerdem stabilisieren sie das Kniegelenk, denn bei starker Beugung oder Streckung schieben sie sich wie Bremskeile zwischen Ober- und Unterschenkelknochen und sichern so seine Stellung (à Hemmschuhwirkung).

Die Bandsysteme des Kniegelenks umfassen vier Bänder, wie oben schon erwähnt. Dazu gehört der kollaterale Komplex mit dem inneren Seitenband (Ligamentum collaterale tibiale), das an der inneren Femurkondyle entspringt und breitflächig schräg nach vorne unten an der Innenseite des Schienbein ansetzt. Es ist wie schon erwähnt mit bindegewebigen Fasern am Innenmeniskus und an der Gelenkkapsel befestigt. Das äußere Seitenband (Ligamentum collaterale fibulare) entspringt am äußeren Oberschenkelknorren und verläuft schräg nach unten hinten zum Wadenbeinköpfchen der Fibula. Es hat keine Verbindung mit der Gelenkkapsel und verläuft als bleistiftstarker Strang tastbar lateral am Knie entlang. Die Hauptaufgabe der Seitenbänder besteht in der Stabilisierung des Kniegelenks in gestreckter Haltung. In dieser Position sind sie straff gespannt und verhindern Rotationsbewegungen. Mit zunehmender Beugung werden sie entspannt und es wird eine Rotation des Unterschenkels möglich.



Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 19. Februar 2011 um 10:24 Uhr