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Seite 1 von 3 Die demographische Alterung in der Bundesrepublik Deutschland und die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft - Autor: Johannes Gerlinger - Universität Stuttgart – Institut für Geographie Grundlagen Um zu verstehen, wie es zur Alterung der Bevölkerung kam und wie sie sich unter plausiblen Annahmen in Zukunft entwickeln wird, ist zunächst ein Rückblick in die Vergangenheit erforderlich. Bevölkerungen verändern sich in ihrer Altersstruktur durch das Zusammenspiel aus gegebener Altersstruktur, der Entwicklung von Fertilität, Mortalität und Migration. Die gegebene Altersstruktur beeinflusst in erheblichem Maße die zukünftige Entwicklung der Altersstruktur, denn wenn die Elterngeneration zahlenmäßig groß ist, werden trotz niedrigem Geburtenniveau mehr Kinder geboren, als wenn die Elterngeneration bereits verhältnismäßig klein ist. Die Veränderung der Altersstruktur in Deutschland kann man am besten anhand des Wandels der Bevölkerungspyramide zum Bevölkerungs-„Sarg“ zeigen. Betrachtet man die Entwicklung der Geburtenziffern, so fand der eigentliche Geburtenrückgang am Anfang des 20. Jahrhunderts statt (von 5 auf 2 Kinder je Frau). Der Rückgang der Geburtenziffern unter das Bestanderhaltungsniveau ist der entscheidende Grund für die Alterung der Bevölkerung (heute relativ stabiles Geburtenniveau von 1,34). Leider gibt es keine Gründe für einen Wiederanstieg der Geburtenziffern, denn der Trend geht immer mehr zu kinderlosen Lebensgemeinschaften und Single-Dasein. Auch beim Sterblichkeitsrückgang bzw. dem Anstieg der Lebenserwartung kann man von einer demographischen Revolution sprechen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag die durchschnittliche Lebenserwartung noch unter 50 Jahren, gegen Ende des 20. Jahrhunderts beträgt sie 74 Jahre bei Männern und 80 Jahre bei Frauen. Maßgeblich für diese Entwicklung ist der massive Rückgang der Kleinkindersterblichkeit, seit 1970 zunehmend auch der Rückgang der Alterssterblichkeit. Mit zunehmendem Fortschritt in Medizin und gesundheitsbewussten Lebensstilen wird ein weiteres Ansteigen der Lebenserwartung um 4 Jahre bis 2050 erwartet. Die Geschichte der Wanderungen nach Deutschland ist von sehr unterschiedlichen Phasen und Einwanderergruppen geprägt. Nach dem 2. Weltkrieg kamen ca. 15 Mio. Flüchtlinge und Vertriebene. In Westdeutschland kamen bis 1961 noch mehrere 100 000 so genannte Republikflüchtlinge hinzu. Mit dem Wirtschaftwunder wurden verstärkt ausländische Arbeitnehmer angeworben und nach dem Anwerbestopp 1973 kam es zu einem verstärkten Familiennachzug. Mit dem Fall der Mauer und des eisernen Vorhangs kamen in großer Zahl Spätaussiedler und Übersiedler aus der ehemaligen DDR nach Westdeutschland. Außerdem kamen bis Mitte der 90er Jahre verstärkt Asylbewerber sowie Ende der 90er viele Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Allgemein wird für die Zukunft mit einem fortgesetzten starken Rückgang der Aussiedler gegen 0 gerechnet. Für das zukünftige Wanderungssaldo der ausländischen Bevölkerung gibt es vier verschiedene Modellrechnungen des Innenministeriums, die von einem Nullwachstum im Modell k bis zu 300 000 Zuwanderungen pro Jahr im Modell C ausgehen. |
| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. Februar 2011 um 11:36 Uhr |