Das “New Ice-Age” in den Southern Alps von Neuseeland

Autor: Johannes Gerlinger - Universität Stuttgart – Institut für Geographie


Klimatische Grundlagen

Auf der Grundlage (paläo-)klimatischer Forschungsfragestellungen, die unter anderem von Prof. Blümel an verschiedenen Standorten durch die Universität Stuttgart bearbeitet wurden, soll anhand einschlägiger wissenschaftlicher Literatur mögliche Telekonnektionen zur Klimaentwicklung in Neuseeland hergestellt werden. Die Untersuchungen in Neuseeland beschäftigen sich mit den Gletschern der Südinseln als feinfühliges Messinstrument für Klimaschwankungen der Vergangenheit und Gegenwart. Insbesondere aktuelle Entwicklungen in Neuseeland, die teilweise durch ein Wachstum der Gletscher entgegen dem weltweiten Trend des Gletscherrückzugs zum Ausdruck kommen sollen hierbei im Vordergrund stehen. Die Klimageschichte des Quartärs zeigt durch den Wechsel von Eiszeiten und Interglazialen im Pleistozän deutliche Schwankungen der Temperatur. Das Klima des Holozäns nach dem Ende der letzten (Weichsel-/Würm-)Eiszeit gilt unter Klimaforschern dagegen als ausgesprochen stabil und ermöglichte so entscheidende kulturelle und siedlungsgeschichtliche Entwicklungen. Wenn man die Klimaentwicklung des Holozäns jedoch in einer höheren zeitlichen Auflösung betrachtet wird deutlich, dass auch im Holozän Instabilitäten einer deutlich kleineren Amplitude existierten.

Untersuchungen von Prof. Blümel und der Universität Stuttgart auf Spitzbergen zeigten, dass die dortigen Gletscher allein in den letzten 3600 Jahren 7 deutliche Gletschervorstoß und -rückzugsphasen erlebten und damit deutliche Klima-schwankungen stattfanden. Untersuchungen in Nordamerika deuten auf ähnliche Entwicklungen hin, wobei die regionalen Änderungen zeitlich nicht immer synchron abliefen. Beispielsweise sorgte die Unterbrechung des warmen Golfstroms durch Süßwasserzufuhr von abschmelzenden nordamerikanischen Inlandseismassen (Salz-gehalt) zu einer erneuten starken Abkühlung in Europa mit dem Vorstoß der Eismassen. Erst 1000 Jahre später begann auch in Europa die neue globale Wärmezeit mit dem Boreal (10200-7500 v.h.) und dem so genannten postglazialen Wärmeoptimum des Atlantikums (7500-4800 v.h.). Mit der Erwärmung kam es auch zu einer deutlichen Veränderung von Klima-, Vegetations- und Bodenzonen. So existierten im südwestlichen Afrika bis 8000 v.h. noch deutlich trockenere Zustände mit Wüsten und Halbwüsten (fossile Dünen-bildungen) in der heutigen Trockensavanne.

Erst mit dem postglazialen Wärmeoptimum kam die Feuchte und so findet man heute noch deutliche Hinweise auf ein deutlich feuchteres Savannenklima während dieser Zeit. Darauf deuten auch zivilisatorische Funde wie Feuerstellen und Felsgravuren aus dieser Zeit hin. Während dieser Zeit kommt es auch in Europa zu erheblichen zivilisatorischen Veränderungen, so entwickelten sich in dieser Zeit der Ackerbau und die Sesshaftigkeit. Vor 5300 Jahren endete das postglaziale Wärmeoptimum abrupt und der Globus geht mit Temperaturamplituden von 1 – 2 °C einer neuen Eiszeit entgegen. Das so genannte Klimapessimum der Bronzezeit (3200-2600 v.h.) gilt als die kälteste Periode seit der Würm-Kaltzeit mit einem verstärkten Vorstoß der alpinen Gletscher. Während des Römerzeitlichen Klimaoptimums (2300-1600 v.h.) kommt es wieder zu einer deutlichen Erwärmung und damit zu optimalen Voraussetzungen für die Ausdehnung des römischen Imperiums. Alpenpässe können wieder genutzt werden (Hannibal), England macht sich einen Namen im Weinanbau und der Handel über die Seidenstraße floriert. Zwischen dem 3. und 6. Jh. n.Chr. kommt es zu einer erneuten Abkühlung und damit zu verstärkten Völkerwanderungen aufgrund von Missernten. Erst mit dem Mittelalterlichen Wärmeoptimum (1000 bis 1230 n.Chr.) entsteht wieder eine Gunstphase in der auch die Kulturlandschaft Deutschlands seine bisher größte Ausdehnung und Bevölkerungsdichte erfuhr. Während dieser Zeit erhielt auch Grönland seinen Namen, als es von den Wikingern besiedelt wurde. Bald darauf begann mit dem neuzeitlichen Klimapessimum von 1330 bis 1850 n.Chr. die so genannte kleine Eiszeit.

In der Übergangsphase stellten sich in Europa Extremereignisse von bisher unbekanntem Ausmaß ein (Hochwasserkatastrophe von 1342 und in der FolgePestepidemien und Hungersnöte). In dieser kleinen Eiszeit lassen sich kräftige Gletschervorstöße in den Alpen und eine verstärkte saisonale Eisbedeckung im Atlantik registrieren mit einem Maximum um 1700. Diese kleine Eiszeit ist von starken Klimaschwankungen begleitet, die sich auch bei Untersuchungen in Teilen Hochasiens und im Südwesten Afrikas nachweisen lassen. Seit 1850 befinden wir uns jetzt schließlich im neuzeitlichen Wärmeoptimum, in dem ein erneuter Temperaturanstieg die Gletscher weltweit deutlich abnehmen lässt. In fast allen Hochgebirgen markieren mächtige Endmoränenwälle den Maximalstand des Eisvorstoßes während der kleinen Eiszeit und der heutige Gletscherrand den deutlichen Rückgang. Auch aktuell nehmen die Gletscher in den Alpen weiter deutlich ab. Inwieweit diese globale Erwärmung anthropogene Ursachen haben könnte soll später erörtert werden. Nun aber zu den Beobachtungen der Gletscher in Neuseeland.



Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. Februar 2011 um 11:36 Uhr